Und die Moral von der Geschicht’…

Und die Moral von der Geschicht’…

Hier möchte ich euch gern an meinen ganz persönlichen Anekdoten in 40 Jahren mit Pferden teilhaben lassen. Es sind alles Geschichten, die ich genau so wie ich sie aufschreibe erlebt habe. Sie haben mein Tun und Denken in Bezug auf Pferde maßgeblich beeinflußt, und mir die Richtung gegeben, die ich heute habe.

DAS IST SCHÖN ! – ABER ZU ANSTRENGEND…!

Da ich Vielen vor Allem als Westernreiterin bekannt war (oder noch bin, weiß ich nicht 😉  ), wurde ich eines Tages in einem klassisch – englischen Reitstall von einer wohl ziemlich verzweifelten Pferdebesitzerin gefragt, ob ich denn mal ihr Pferd reiten würde. Nur mal so zum gucken, weil dieses Pferd vor seinem Besitzerwechsel wohl eine Westernausbildung genossen hatte. Und ausserdem gab es da dieses Problem, dass Herr Pferd immer aus dem Nichts, ohne ersichtlichen Grund, losstürmte und nicht mehr zu bremsen war. Ich denke, die Besitzerin muss wirklich ratlos gewesen sein, dass sie mich gefragt hat, da ich in diesem Stall eher ein „Alien“ war, mit meiner Cowboyreiterei und diesen komischen Ansichten.. naja, egal

Klar, sagte ich, kann ich gern machen, mal gucken ob das stimmt, und was das Pferdchen denn eigentlich so Alles kann. Beim Treffen in der Halle ein paar Minuten später, fand ich ein ordentlich verschnürtes Pferd vor, mit wachem, aber meiner Meinung nach gequältem Blick. Das erste was ich tat: ich löste und entfernte zuersteinmal alle mir überflüssig erscheinenden Lederstrippen – ich glaube es waren 2 verschiedene Hilfszügelpaare, die Namen kenne ich bis heute nicht – inclusive des viel zu festen Sperriemens; den Nasenriemen schnallte ich 2 Loch weiter.

Die Umstehenden waren sichtlich erschrocken. Die Besitzerin sagte dann ganz vorsichtig, dass ich das doch nicht machen könne. Ich fragte warum. So hätte ich Herr Pferd ja gar nicht unter Kontrolle wenn er durchgehen würde, war die Antwort. Ich gab zu Bedenken, dass ich ein Pferd ja schon vor dem eigentlichen Durchgehen schon nicht unter Kontrolle habe, sonst würde es ja erst gar nicht durchgehen. Auf die Frage ob mich diese ganzen Hilfsmittel zuverlässig davor schützen, dass Herr Pferd nicht durchgeht, kam ein Nein. Nun, dann brauche ich sie wohl auch nicht, sagte ich und ausserdem meinte ich, wo Herr Pferd denn auch schon hinrennen solle, hier, in der Halle. Ausser im Kreis herum kann er ja nicht weit rennen. Zugegeben, wenn ich das so lese finde ich es auch ein bißchen leichtsinnig, aber was macht man nicht Alles in seinem „jugendlichen Leichtsinn“… .

Von einer Westernausbildung merkte ich nicht sonderlich viel – aber ich merkte wohl, dass ich auf einem Pulverfass saß…! Über bewußtes atmen, lockerlassen, in Ruhe lassen, viel loben und beruhigen konnte ich Herr Pferd aber immer mehr „zu mir holen“. Zum Schluß müssen wir wohl ganz gut ausgesehen haben, weil auch die Besitzerin entspannt und leicht lächelnd Herr Pferd beobachtete. Sie sagte sogar, so entspannt hätte sie ihn noch nicht erlebt. Ein toller Erfolg! dachte ich, und forderte sie auf, jetzt selbst nochmal ein paar Runden zu drehen. Sehr unsicher saß sie auf. Natürlich übertrug sich die Anspannung sofort auf Herr Pferd, so ging ich also besser neben den Beiden her, und versuchte ihr zu erklären, was ich gemacht hatte und wo sie überall locker lassen sollte, damit Herr Pferd auch unter ihr entspannt laufen konnte. Und siehe da, es klappte für meine Begriffe sogar ganz gut. Zum Schluß saß sie recht entspannt da oben drauf und bei Herr Pferd hatte man nicht mehr das Gefühl, dass er gleich kopflos durchstarten würde. Besser hätte es wohl kaum noch laufen können, da sie dann auch lächelnd absaß.

Dann, nach ein paar Wortwechseln, kam der Schlag, mitten ins Gesicht …

„Ja, das war echt schön, so ruhig ist er noch nie gelaufen. Aber ich möchte das nicht so machen wie Du. Das ist mir zu anstrengend.“

Einige Zeit später hörte ich, dass Herr Pferd nicht lange danach verkauft worden war – weil niemand mehr mit ihm zurecht kam…  .

 

EM MATURITY CHAMPIONAT – AND THE WINNER IS… 

Zu meiner noch aktiven Turnierreiter – Zeit hatten mein Nachwuchspferd „Dial A Smoke“ und ich die Chance, an den Europameisterschaften der Paint Horses teilzunehmen. Natürlich habe ich mir das nicht nehmen lassen und wir fuhren hin. Und tatsächlich – wir errangen den Titel des Maturity Champions im Trail (eine Trailprüfung nur für 6 – jährige Pferde)! Ganz ehrlich – ich war völlig verwirrt. Ich fand unseren Ritt grauenhaft. Die Abstände zwischen den Hindernissen waren (nicht nur für uns…) viel zu eng bemessen, von langem Zügel und leichten Hilfen waren wir (und die anderen Teilnehmer) meilenweit entfernt, die ganze Prüfung war eine „Abfertigung“, also kein schönes Ambiente ( ich glaube, die Zeitplanung war völlig durcheinander, da wir mit 6 Stunden Verspätung die Prüfung begannen…).

An dieses Turnier habe ich keinerlei schöne Erinnerungen, obwohl wir einen so tollen Titel mit nach Hause gebracht haben. Meine einzigste Erklärung dafür ist, dass wir von all den grauenhaften Darbietungen dort wohl am Besten ausgesehen haben haben müssen, vielleicht auf Grund der schön eingeflochtenen Mähne; oder die Richter waren einfach völlig übermüdet und wollten einfach nur fertig werden oder was auch immer…! An der gezeigten Leistung kann es meiner Meinung nach nie und nimmer gelegen haben. Ich bin keinesfalls stolz auf den gewonnenen Pokal, er ist für mich immer wenn ich ihn sehe ein riesengroßes Fragezeichen, und mittlerweile muss ich oft lachen über diese ganze Geschichte, die ihn begleitet.

Also, was zählt ein Pokal? Für mich Nichts, wenn man die Geschichte, die dazu gehört, nicht kennt. Kein Pokal und keine Schleife sagt durch den bloßen Besitz etwas über die reiterlichen Fähigkeiten oder erbrachte Leistungen aus. Spätestens seit diesem Erlebnis haben diese Symbole für mich ihren Wert verloren – solange ich nicht ihre ganz eigene Geschichte kenne.

Trail Felix Warburg – bewertungen völlig wertlos

 

Lucky – initiator