Körpertraining für Pferde

Ein sehr junges und leider noch unbekanntes Trainingskonzept ist das HIB Konzept. Ich durfte es schon vor Jahren kennen lernen, und möchte es nun gern vorstellen. Bisher habe ich tatsächlich noch keine Trainingsphilosophie kennengelernt, die sich so individuell am Pferd orientiert. Ich schätze, diesem Training wird es sehr schwer fallen, sich schnell und weit zu verbreiten,weil es sich tatsächlich ausschließlich an den Eigenarten des Pferdes orientiert, und nicht an den Wünschen, Vorstellungen und Erwartungen des Menschen.

Es ist vollkommen egal, ob Du als Freizeit-, Western-, Spring- oder Dressurreiter Dich mit diesem Konzept auseinandersetzen möchtest – das Skelett auf dem wir Alle sitzen ist das eines Pferdes, und genau auf dessen Besonderheiten basiert das Körpertraining.

Ein entscheidender, neuer und, zugegeben, etwas fremd klingender Aspekt ist das Anregen und in Bewegung setzen von Muskelkreisläufen. Kurz erklärt bedeutet das, das durch ein Umtrainieren der Beckenstellung im Raum Muskelketten getriggert werden, die für eine Biomotorik des Tragens wichtig sind. Denn (hoffentlich!) jeder Reiter weiß, das das Pferd eigentlich nicht zum tragen gemacht ist, sondern zum dauergrasen und lange Strecken zurücklegen. So können wir eben die Biomechanik nicht 1 zu 1 fürs tragen umsetzen, sondern müssen einige kleine Besonderheiten beachten, wenn wir unserem Pferd durch die Reiterei nicht schaden wollen. Genau diese Besonderheiten werden hervorgehoben und in die Biomotorik des Tragens einbezogen.

Ein weiterer großer Unterschied im Körpertraining ist der Umgang mit Lektionen. in vielen Konzepten steht im Vordergrund, den Pferden etwas zum vorzeigen beizubringen; Lektionen finden hier überhaupt keine Beachtung. Im Körpertraining ist das Wissen über die WIRKUNGSWEISE einer bestimmten Lektion am Wichtigsten. Und noch viel wichtiger ist das Wissen darüber, was diese oder jene Übung mit dem Körper des Pferdes macht, wenn sie FALSCH oder ZU OFT abgefragt wird.

Bei dem Körpertraining steht immer der gymnastische Wert einer Lektion im Vordergrund, das Training richtet sich immer nach der Frage „was wird grad gebraucht, womit helfe ich meinem Pferd jetzt grad weiter“ in Bezug auf das Erlangen einer positiven Körperhaltung. So werden eben nicht die Lektionen ausschließlich in ihrer Perfektion angestrebt, sondern es werden  viele individuelle, dem Trainingszustand angepasste Variationen gesucht und oder gefunden, die das Pferd auf seine Aufgabe als Lastenträger optimal vorbereiten.

Sehr interessant ist hier auch das Umsetzen und einsetzen von Paraden. Sie werden als eine Umlenkbewegung aus dem Handgelenk beschrieben, werden niemals zum bremsen, sondern eben zum umlenken eingesetzt. Als Ergebnis entsteht dann unter Umständen schon auch das Durchparieren seitens des Pferdes, oder, wenn ein Pferd die Parade richtig umsetzen kann, die Aufrichtung bzw Erhabenheit.

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