Trainieren bei Wind und Wetter, über Stock und Stein

Trainieren bei Wind und Wetter, über Stock und Stein

… im Regen

ich persönlich finde Regen nicht besonders schlimm. Es gibt ja auch gute Regenkleidung, die zuverlässig vor dem nasswerden schützt. Wichtiger für die Entscheidung ob ich nun draußen trainieren gehe oder nicht ist die Frage, wie geht mein Pferd mit Regen um? Viele Pferde mögen es ganz und gar nicht, dem Regen so ausgeliefert zu sein. Das liegt schlicht daran, dass sie, wenn der Regen von vorn oder von der Seite kommt, ihre großen Augen nicht schützen können – oder hast Du schonmal ein Pferd seine Augen zukneifen sehen… 😉  Wann immer es regnet, sieht man die Pferde mit dem Hintern dem Regen zugewandt, mit tief gehaltenem Kopf – so können sie am Besten Augen, Ohren, Kopf, vorm kalten Nass schützen. Beim arbeiten draussen im Regen nimmt man ihnen diese Möglichkeit – und das kann zu ernsthaften Auseinandersetzungen führen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das auch nicht trainierbar ist – ist ja auch nachvollziehbar, entweder (man) Pferd mag Regen, oder eben nicht. Habe ich ein Pferd, welches Regen einfach nicht mag, ist der Regen für mich tatsächlich ein Grund, das Training draussen ausfallen zu lassen. Vielleicht gehe ich bei Nieselregen in den Wald……

… bei Wind

Im Gegensatz zu Regen ist die Toleranz von Wind trainierbar. Für Pferde ist das Schlimme an (starkem) Wind, dass sie schlechter hören können – eben durch das „Wind um die Ohren sausen“ . Durch die starken Windgeräusche können sie andere Dinge, die um sie herum eventuell passieren, schlechter bis nicht mehr wahrnehmen, und das macht ein Fluchttier logischerweise nervös und schreckhaft. Diese Unsicherheit ist aber beeinflußbar – zum Einen dadurch, dass ich meinem Pferd Sicherheit geben kann, also es weiß „ok, Menschlein weiß, was es tut und passt auf mich auf„, zum Anderen einfach durch üben (wie so Vieles… 😉  ) . Ich nutze windige Tage gern zur Desensibilisierung von jungen, unerfahrenen oder nervösen Pferden. Je nach Erfahrung, Ausbildungsstand, Nervenkostüm etc. Einfaches Führtraining auf dem Platz, Konzentrationsübungen, ein kleiner Spaziergang, Reiten – alles ist möglich, um noch mehr zusammen zu wachsen…

… über Stock und Stein

Draussen im Gelände, auf Feldwegen oder im Wald (wo erlaubt), kann man sehr wertvolle Trainingseinheiten gestalten. Triebige Pferde sind oft leichter vorwärts zu bekommen, phlegmatische Gemüter werden offener und interessierter, und mit etwas Übung und Gewohnheit werden nervöse Pferde oft etwas ruhiger und gelassener. Selbstverständlich muss mein Pferd, bevor ins Gelände gehe, schon sicher die Hilfen annehmen, in den Grundgangarten sicher zu regulieren sein und sich lenken lassen. Dann jedoch, ist trainieren im Gelände ein echter Zugewinn in den Bereichen Durchlässigkeit, Gleichgewicht, Balance und Schwung. Holprige Feldwege beispielsweise kann man sehr gut für Balance und Gleichgewichtstraining nutzen. Vorzugsweise natürlich im Schritt, ist man schon gut darin, kann man auch ein paar Tritte im Trab versuchen, aber dann sollte man schon ein eingespieltes Team sein und das Pferd die Hilfen sicher annehmen! Ebene Wege sind hervorragend für Tempowechsel, Wechsel zwischen den Gangarten und für Seitengänge geeignet. Ein entspannter, ruhiger Ausritt, zu zweit oder in einer klein gehaltenen Gruppe bringt oft viel Entspannung ins Pferd und motiviert sehr gut für die nächste Trainingseinheit.

Will man einen zuverlässigen Freizeitpartner haben, der mit Spaß beider Sache ist ist meiner Meinung nach eine vielseitige Ausbildung unverzichtbar. Dazu gehört eben auch das Training im Gelände. Geländetraining und die Arbeit auf dem Platz sollten sich jedoch die Waage halten, denn klar ist, dass jedes Areal für sich auch seine ganz eigenen Grenzen hat, und somit ergänzen sich die verschiedenen Möglichkeiten und Reize optimal, um aus dem Läufer Pferd einen Lastenträger zu machen, der diese ihm vom Mensch gestellte Aufgabe so gesund als möglich erledigen kann. 🙂